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„Ich mag freche Malereien“ - Von der Teilnehmerin zum jüngsten Jurymitglied

Lisa Moll, 23, hat beim Wettbewerb „jugend creativ“ die Seiten gewechselt. Als Schülerin hat sie mit ihren Malereien einige Male auf Bundesebene gewonnen, seit drei Jahren entscheidet sie in der Bundesjury Bildgestaltung selbst über die Sieger mit und begegnet vor allem einem Motiv immer wieder: Kühen.

von Milena Zwerenz

 

 

Wie oft Lisa beim Jugendwettbewerb „jugend creativ“ mitgemacht hat, weiß sie schon gar nicht mehr so genau. „In der Grundschule haben wir als Klasse daran teilgenommen und dann habe ich irgendwann alleine weitergemacht”, erzählt sie mir. In ihren Worten schwingt ein leicht schwäbischer Dialekt mit. Kein Wunder, denn ursprünglich kommt Lisa aus Ravensburg in Baden-Württemberg.

 

Lisa und jugend creativ

 

In der 9. Klasse gewinnt sie bei „jugend creativ“ zum ersten Mal auf Bundesebene mit einem Bild zum Thema „Entdecke fremde Kulturen”. In ihrer Aquarellmalerei stellt sie eine graue Industriestadt einer bunten Welt gegenüber. Ein farbenfrohes Mädchen überschreitet die Grenzen zur tristen Umgebung. Das Werk trägt den Titel „Kultur hinterlässt Spuren”. Von da an habe sie häufig Bilder in Bildern mit doppelbödiger Bedeutung gemalt, ihre Technik hätte meist aus Tusche und Aquarell bestanden, erinnert sich Lisa. Sie trägt eine große, dunkle Brille, die gut zu ihrem Gesicht passt. Ihre dunkelbraunen Haare hat sie zu einem lässigen Zopf zusammengebunden. Um ihren Hals baumelt eine bunte Perlenkette. Lisa strahlt Kreativität aus. Während sie erzählt, kann ich mir bildlich vorstellen, wie ihr jüngeres Ich zu Hause saß und malte.
 

Die Ideen kamen ihr meist über Nacht, in ein bis zwei Tagen hat sie die Bilder fertiggestellt. Nach ihrem ersten Erfolg gewinnt sie mehrere Male auf Bundesebene und nimmt an den Workshops der Sommerakademie auf dem Scheersberg an der Ostsee teil. Als sie in der 13. Klasse ist, siegt sie sogar im internationalen Vergleich und fliegt für die Preisverleihung bis nach Helsinki. Lisa und „jugend creativ“ gehören zu dem Zeitpunkt schon unweigerlich zusammen.
 

Der Wettbewerb beeinflusst sie auch bei ihrer Studienwahl. Heute studiert Lisa an der Akademie der Bildenden Künste und der Uni Stuttgart Geschichte und Kunst – oder wie sie sagt, „Kunscht” – auf Lehramt im 6. Semester. Gleichzeitig sitzt sie mittlerweile selbst als jüngstes Mitglied in der Bundesjury Bildgestaltung von „jugend creativ“. Seit drei Jahren entscheidet sie über die Gewinnerbilder mit.

 

Bewertungen über den eigenen Geschmack hinaus

 

Der Seitenwechsel von der Teilnehmerin zum Jurymitglied hat ihr in mancher Hinsicht die Augen geöffnet, zu sehen, wie die Jury argumentiert. Juryentscheidungen von früher kann sie heute besser nachvollziehen. Sie selbst achtet bei den eingereichten Bildern auf die erkennbare eigenständige Leistung der Schüler und die Qualität der Umsetzung. „Es ist wichtig, dass mich ein Bild packt. Ich mag freche Malereien, die ein bisschen doppeldeutig sind und die man sich erst reindenken muss”, erklärt mir Lisa. Manchmal muss sie aber auch ihre eigenen Vorlieben hinten anstellen und die technischen Fähigkeiten wertschätzen, etwa bei Mangazeichnungen.
 

Beim diesjährigen Thema „Träume” kamen wieder viele verschiedene Ansätze zusammen: viele Gesichter in romantischen Landschaften, aber auch „Dali-artige Metamorphosen” und – äh – auch Kühe. „Kühe tauchen jedes Jahr wieder auf. Keine Ahnung, warum. Tiere an sich sind bei den Teilnehmern ein beliebtes Motiv”. Am Ende musste sich die Jury wieder für fünf Siegerbilder in jeder Altersklasse entscheiden. Dass das Lisa nicht leicht fiel, ist ihr anzumerken, aber „nicht alle Bilder können es leider bis zur Auszeichnung auf Bundesebene schaffen“.

 

Demnächst: Sommerakademie mit Lisa

 

Auf die Gewinner wartet jetzt die Sommerakademie vom 3. bis 10. August in Scheersberg an der Ostsee. Lisa leitet dort in diesem Jahr erstmals auch einen eigenen Workshop, die „Traumwerkstatt Bilder und Objekte“. Denn sie selbst malt nicht nur gerne, sondern sammelt auch Gegenstände und gestaltet Räume künstlerisch. Sie sagt außerdem, sie habe damals in den Workshops fast mehr gelernt als in ihrem Studium: von Analogfotografie über Filmtheorie bis hin zu Kunstprinzipien. Deshalb hofft sie, dass es den Teilnehmern ihres Workshops ähnlich geht. Mit den Schülerinnen und Schülern will sie sich dem Traumthema übers Basteln nähern. Sie werden Traumabwehrmasken, Stolperfallen und Traumkisten kreieren. Da muss ich nachhaken. „Traumkisten sind kleine Boxen, in die man seine Träume legt“, erklärt sie mir.
 

Lisa selbst träumt übrigens davon, dass den Menschen niemals die Träume ausgehen. Aber darum muss sie sich wahrscheinlich keine Sorgen machen.


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