Ideengeber-Magazin

In unserem Magazin schreiben junge Autorinnen und Autoren: Sie berichten vom Wettbewerb, beleuchten das aktuelle Thema von verschiedenen Seiten, schauen erfahrenen Künstlern über die Schulter und geben Anregungen für die Gestaltung der Wettbewerbsbeiträge.

Die Ideengeber

Gustav Beyer

Franziska Bulle

Lilith Diringer

Lara Gahlow

Lou A. Godvliet

Lea Goeppert

Lisa Winter

Alina Frechen

Maxi Köhler

Anna Gumpert

Lilly Grünmüller

Jens Augspurger

Mariel Reichard

 

 

 

Freundschaft ist ... bunt!

11.08.2017

Kreativ im hohen Norden


Die Bundesgewinner des diesjährigen „jugend creativ“-Wettbewerbs durften eine Woche lang all ihre Kreativität auf dem Scheersberg an der Ostsee ausleben. In den zahlreichen Workshops haben die Teilnehmer einiges erlebt – Franziska hat sie begleitet…

Was passiert, wenn 50 junge Künstler zusammenkommen? Ein Happening der ganz besonderen Art! Die diesjährige Sommerakademie für die Bundessieger des“ jugend creativ“-Wettbewerbs der Volksbanken und Raiffeisenbanken stand unter dem Motto „Flow“. Ich durfte die Akademie und ihre Teilnehmer bereits das vierte Mal während ihrer Gewinnerwoche begleiten und war vor Beginn der Workshops sehr gespannt, wie es dieses Jahr werden sollte.

In den sieben Werkstätten auf dem Scheersberg geht es darum, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Jedes Mal, wenn ich hier in die Internationale Jugendbildungsstätte am äußersten Zipfel Schleswig-Holsteins fahre, ist es ein bisschen so, als ob man nach Hause kommt. Zu einer riesigen Familie. Das Team aus Künstlern, Kunstpädagogen und Filmemachern in den Werkstätten und das engagierte Freizeitteam machen die Woche für die Teilnehmer immer zu einem Erlebnis der ganz besonderen Art.

Aber eins nach dem anderen: Sonntags kommen hier alle Bundessieger erst mal an. Ich reise am Mittwoch an – da sind schon alle Werkstätten eingerichtet. Das Wort Werkstatt solltet ihr nicht falsch verstehen: Hier werden keine Autos repariert oder so, sondern gemalt, gezeichnet, gefilmt und fotografiert. Nora (20) erklärt mir, was an den Werkstätten so besonders ist: Alle Teilnehmer seien zwar irgendwie total verschieden, aber kämen super miteinander aus, meint sie. Es gäbe kein Konkurrenzdenken, schließlich hätten ja alle schon den Wettbewerb gewonnen. Die Werkstätten seien dazu da, sich selber auszuprobieren. „Wir dürfen hier alles machen. Wenn wir Fragen haben, können wir fragen. Das ist echt klasse“, sagt Nora.
 

„Wir haben ein Buch gestaltet“

Jeder Tag ist anders. Die jungen Kreativen gehen nach einem ausgiebigen Frühstück direkt in die Werkstätten. Wenn es gut läuft, arbeiten die älteren Teilnehmer oft auch in die Nächte hinein. Fabio Magnifico, Kurzfilm-Werkstattleiter, meint: „Eine Nacht wird hier mindestens durchgemacht. Das ist normal und gehört zum Feeling dazu.“ Davon kriege ich nur wenig mit. Doch ich kann mich darauf verlassen, dass ich am nächsten Tag wieder neue Kunstwerke bestaunen kann.

Nachdem mich direkt am Mittwoch das Scheersberg-Fieber erfasst hatte, treffe ich einen Tag später auf Mara (20). Sie besucht die Druckwerkstatt und ist schon das zweite Mal Gewinnerin des „jugend creativ“-Wettbewerbs. Sie erzählt mir von ihrer Arbeit: „Es ist sehr interessant. Wir machen hier nicht nur Holzdrucke, sondern probieren auch andere Drucktechniken aus. Wir haben sogar ein Buch gemeinsam gestaltet. Das hat zwar ziemlich lange gedauert, hat aber echt viel Spaß gemacht.“ Wenn ich mich hier umschaue, sehe ich keine dunkle Miene. Alle sitzen hochkonzentriert an ihren Arbeiten. In der Zeichen- und Malwerkstatt erklärt mir die Werkstattassistentin Julia Fette, dass hier jeder seinen eigenen Stil hat: „Wir geben ihnen Impulse. Was sie davon umsetzen, ist anschließend ihre Sache.“ Ich merke schnell, dass hier keine Anfänger am Start sind. Es entstehen täglich mehrere Werke, die alle ganz individuell sind und mich sehr berühren. Jedes dieser Bilder hat eine Hintergrundgeschichte. Eine Bundessiegerin malte zum Beispiel Portraits von gesellschaftlich wichtigen Frauen und dazu jeweils eine passende Blume.
 

Trickfilme einfach gemacht

In der Trickfilm-Werkstatt treffe ich Mara (11), Jessika (12) und Mai Tram (12). Sie erklären mir, wie man einen Trickfilm macht: Auf zwölf kleinen Bildern werden immer nur Kleinigkeiten verändert. Danach wird der Trickfilm auf einem Plattenspieler abgespielt. Klingt kompliziert? Ist es aber eigentlich nicht, meinen die Mädels. Man muss nur den Dreh rauskriegen, wieviel man verändert, damit der Trickfilm nicht ins Stocken kommt. Mara erzählt mir von ihrem ersten fertigen Trickfilm: „Das war echt voll cool. Das ist ein Glücksgefühl, wenn man ihn endlich angucken kann.“ Mai Tram ist auch froh darüber, sich für die Werkstatt entschieden zu haben: „Ich habe hier viele neue und nette Menschen kennengelernt. Und wir probieren immer wieder neue Sachen aus. Mit Knete, mit Zeichnungen, mit Stecknadeln – das ist echt etwas Besonderes.“
Auch in der Fotowerkstatt läuft es rund. „Wir haben wirklich interessante Talente hier“, erzählt mir Werkstattleiter Klaus-Ove Kahrmann begeistert. Tjeerd de Jong Posthumus ist auf seine jungen Fotografen ebenfalls stolz: „Sie haben jetzt schon alles entwickelt. Einzige Hürde ist es nun, alle Fotos so anzuordnen, dass sie bei der Präsentation auch zusammenpassen.“
 

Pause für den Kopf

Wenn ihr jetzt das Gefühl bekommen habt, hier wird nur gearbeitet, kann ich euch beruhigen: Die Sommerakademie wäre nicht die Sommerakademie, wenn sie nicht auch jede Menge andere Sachen zu bieten hätte. Nach einem ausgedehnten Strandtag, an dem nicht nur Fotos geknipst und Filmszenen gedreht werden, sondern auch ein Bad in der Ostsee genommen wird, gibt es noch einen Lagerfeuerabend. Viele Teilnehmer sind auch musikalisch sehr begabt – dafür gibt es den Open-Stage-Abend, bei dem jeder sein Können auf der Bühne zeigen kann. Ein weiteres Highlight der Woche ist der Ausflug nach Flensburg. Während sich hier die einen in der Phänomenta, einem interaktiven Wissenschaftsmuseum, vergnügen, flanieren andere durch die Flensburger Innenstadt. Ihr seht also: Auch kreative Köpfe machen mal eine Pause.


Die Nervosität steigt

Nach sieben intensiven Tagen werden am Samstag alle Werke vorgestellt. Ich konnte jeden Tag in die Werkstätten reinschauen, doch es gibt immer Sachen, die ich nicht zu Gesicht bekomme. So ist es für mich auch immer aufregend, alle Werke gleichzeitig zu sehen. Die Präsentation ist jedes Jahr der Höhepunkt der Woche. Ich lasse mich gerne von der vorherigen Nervosität der Teilnehmer anstecken. Morgens sieht man dann kaum jemanden beim Frühstück, weil alle noch ihre Präsentationen vorbereiten. Aus den Bundessiegern werden gleichzeitig auch Kuratoren und sie zeigen ein weiteres Mal, wieso sie Bundessieger geworden sind.

Diese Woche hier auf dem Scheersberg ist eine bunte Mischung aus kreativer Gestaltung, Tiefschlägen, denn die gab es auch, und einer großen Portion Energie für das Selbstbewusstsein. Hier kommt alles zusammen. Die jungen Künstler leben hier sieben Tage abseits ihres Alltages. In dieser Zeit scheint alles möglich zu sein – und genau das gefällt mir jedes Jahr wieder aufs Neue.
 

Selbst kreativ werden

Wenn ihr jetzt auch Lust bekommen habt, einmal eine Woche auf den Scheersberg zu fahren, dann bewerbt euch ab dem 1. Oktober mit eurem Bild zum Thema „Erfindungen verändern unser Leben“ für den „jugend creativ“-Wettbewerb bei den teilnehmenden Volksbanken und Raiffeisenbanken in eurer Nähe. Mit etwas Glück seid ihr dann beim nächsten Scheersberg-Abenteuer mit dabei.

Text: Franziska Bulle

 


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